virale bindehautentzündung

Die virale Bindehautentzündung. Häufig und unangenehm

Die virale Bindehautentzündung (virale Konjunktivitis) ist eine der häufigsten Augenentzündungen. Sie ist hochansteckend und deshalb müssen die betroffenen Patienten strenge Hygieniemassnahmen einhalten.
Eine virale Bindehautentzündung kann bei einer Erkältung oder anderen systemischen viralen Infektionen auftreten: Mumps, Herpes, Masern.

Wie erkrankt man an einer viralen Bindehautentzündung?

Die Erkrankung tritt sehr häufig alleine, ohne systemische virale Infektion auf. In diesem Fall wird sie durch Adenoviren, Enteroviren und Herpesviren hervorgerufen. Es reicht aus, wenn der Patient einen infizierten Gegenstand anfasst (zum Beispiel Türgriff) und danach am Auge reibt. Die Augenärzte sehen die virale Bindehautentzündungen vor allem im Herbst und Winter, da die kalte, trockene Luft die Verbreitung der Viren begünstigt.

Symptome einer viralen Bindehautentzündung

Die virale Bindehautentzündung löst erst nach einer 5-10-tägiger Inkubationszeit Symtome aus. In der Regel wird zuerst nur ein Auge befallen. Das Auge entzündet sich, tränt, brennt und juckt. Fremdkörpergefühl ist eines der häufigsten Symptome. In gewissen Fällen ist die Augenrötung sehr ausgeprägt und die Bindehaut schwillt an. In 90% der Fälle übergreift die Infektion von einem Auge auf das andere.
Es ist ratsam, bei ausgeprägten Augenentzündung einen Fachmann und einen Arzt aufzusuchen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Adenovirus-Infektion. Die Adenoviren haben mehrere Serotypen. Die Serotypen 5,8,11,13, 19 und 37 verursachen die schwere Keratokonjunktivitis epidemica. Die Serotypen 3,4 und 7 verursachen das Pharyngokonjunktivalfieber.

Formen der Bindehautentzündung

  • Die Adenovirus-Bindehautentzündung ist ein aggressive Infektion. Starke Bindehautrötung, wässriges Sekret, Follikel und Blutflecken (Petechien) in der Bindehaut am Ober- und Unterlid, Membrane und Pseudomembrane (Fibrinbeläge) in dem Bindehautsack sind typisch für die Erkrankung. Die Hornhaut kann kleine, punktförmige Epithelauflockerungen aufweisen. Die Lymphknoten vor den Ohren vergrössern sich häufig.
  • Die adenovirale Bindehautentzündung muss von der bakteriellen und der allergischen Konjunktivitis unterschieden werden. Die Unterscheidung ist oft nicht einfach und in gewissen Fällen ohne zusätlichen diagnostischen Methoden, nur an der Spaltlampe unmöglich.
  • Bei der bakteriellen Bindehautentzündung sind eitrige Sekrete, hohes Sekretvolumen und Papillen statt Follikel zu sehen. Hornhautveränderungen und systmetische Infektion kommen bei der bakteriellen Bindehautentzündung in der Regel nicht vor.
  • Bei der allergischen Bindehautentzündungen jucken die Augen in 95% der Fälle. Ohne Augenjucken kann eine allergische BIndehautentzündung praktisch ausgeschlossen werden. Bei dieser Erkrakung sind ebenfalls Pappilen statt Follikel in der tarsalen Bindehaut zu sehen. Viele Patienten, die an einer allergischen Bindehautentzündung leiden, weisen Atopie auf.

Die richtige Diagnose

Im klinischen Alltag wird die Diagnose virale (adenovirale) Bindehautentzündung anhand dem klinischen Bild gestellt. Bei schwerwiegenden Fällen kommen neben der Spaltlampenuntersuchung zusätzliche Untersuchungsmethoden zur Anwendung. Die Polimerasekettenreaktionsanalyse (PCR) ist die effektivste Methode, weil sie eine Sensitivität von 95% und eine Spezifität von 100 % hat. Mithilfe der Immunchromatografie kann die Diagnose Adenoviren-Bindehautentzündung innerhalb von 10 Minuten gestellt werden. Der Vorteil dieser Methode ist, dass diese Untersuchung mit einem kleinen Gerät in der Augenarztpraxis durchgeführt werden kann.

Therapien und wirksame Mittel

Es gibt keine wirksame Therapie gegen die Adenoviren, das Immunsystem eliminiert die Viren. Die augenärztliche Behandlung beschränkt sich lediglich auf Symptomlinderung. Befeuchtende Augentropfen verringern das Augenbrennen und das Fremdkörpergefühl. In gewissen Fällen treten kleine, rundförmige oder ovaloide Trübugen unter dem Epithel (die oberste Schicht der Hornhaut) auf. Diese Trübungen werden in der Fachsprache Nummuli genannt. Diese Trübungen enthalten weisse Blutkörperchen (Lymphozyten), die Monate oder im Extremfall mehrere Jahre lang bestehen bleiben können. Die Nummuli verblassen mit der Zeit von alleine und verschwinden. Wenn sie zu lange bestehen oder sie sich in der zentralen Hornhaut befinden und dadurch eine Sehverschlechterung verursachen, können schwache Kortisontropfen oder Cyclosporin Augentropfen angewendet werden. Die Augentropfen beschleunigen den Heilungsverlauf und die Nummuli verschwinden schneller. Wenn Kortisontropfen verordnet werden, müssen diese lange ausgeschlichen werden, sonst können die Trübungen zurückkehren.
Es ist nicht verkehrt antibiotische Augentropfen dem Patienten zu verschreiben. Neben den Viren können Bakterien die Bindehaut gleichzeitig befallen. Neben der Befeunchtungstherapie müssen Hygienemassnahmen eingehalten werden, weil die virale Bindehautentzündung, insbesondere die Adenoviren-Bindehautentzündung sehr ansteckend ist. Die Hände müssen regelmässig gewaschen werden, zu Hause müssen die Türgriffe desinfiziert werden, der Patient muss ein separates Handtuch benutzen und er muss den nahen körperlichen Kontakt vermeiden. Es kann 2-3 Wochen lang dauern, bis die virale Bindehautentzündung abklingt.

Ein Gastbeitrag von Dr. med. Richard Nagy