Störungen der Schweißproduktion: Hyperhidrose
Eine gelegentliche Überaktivität der Schweißdrüsen kennt fast jeder – kaum jemand, der über einen längeren Zeitraum luftundurchlässige, nicht atmungsaktive Schuhe und Socken trägt, kommt an einem Schweißfuß vorbei. Und fast alle Menschen geraten unter Stress ins Schwitzen.Doch einigen Menschen haben eine genetische Veranlagung zum ausgeprägten Schwitzen – besonders ausgeprägt an Armen, Händen und Füßen, aber prinzipiell am ganzen Körper möglich.
Die starke Flüssigkeitsabsonderung ist meist verbunden mit unangenehmen Geruch, Die Betroffenen trauen sich kaum, anderen die Hände zu reichen oder die Schuhe auszuziehen, haben ständig nasse Achseln und Kleidungsstücke und fühlen sich unsauber und ungepflegt. Menschen, die exzessiv schwitzen, haben einen enormen Leidensdruck – sie horten auf der Arbeit Kleidungsstücke zum Anziehen, tragen stapelweise Tücher zum Abtrocknen mit sich, trauen sich kaum unter Leute oder in Beziehungen.Die Ursachen einer solchen Überfunktion der Schweißdrüsen ist oft unklar – eine erbliche Komponente spielt dabei möglicherweise eine Rolle. Die Psyche kann dazu beitragen, den Teufelskreis in Gang zu halten: Stress und Angst verursacht Schwitzen, die Schwitzattacken führen wiederum zu Stress.Eine Hyperhidrose kann die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankungen sein: Neben Diabetes und Tuberkulose schwitzt man bei Malaria, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), bei bestimmten Tumoren (z.B. dem Hodgkin-Lymphom) oder nach Medikamenten-Einnahme (Antidepressiva oder Koffein) besonders viel. Auch als lästiger Begleiter der Wechseljahre machen sich Hitzewallungen und starke Schweißausbrüche bemerkbar.Bei neu auftretenden Schwitzattacken besonders nachts sollten in jedem Fall ein Arzt eine ernste Ursache ausschließen!
Therapie bei Hyperhidrose
Bei schwachem Ausmaß helfen tägliches Duschen, Achselhaare rasieren, Kleidung aus Naturfasern oder Deoseifen und Deodorants. Bei leichtem bis mäßigem Schwitzen hemmen Antitranspirantien die Schweißproduktion. Sie enthalten z. B. Aluminiumchlorid, Hexamethylen-Tetramin, Formalin oder Glutardehyd. Für ausgeprägtere Fälle gibt es weitere Möglichkeiten:
- Es gibt einige Medikamente, z. B. mit dem Wirkstoff Methantheliniumbromid, die die Schweißbildung am gesamten Körper reduzieren; diese haben allerdings erhebliche Nebenwirkungen und werden deshalb wenig eingesetzt.
- Ionophorese (Schwachstromtherapie): Eine Standardtherapie bei starkem Hand- oder Fußschweiß ist die Leitungswasser-Iontophorese. Dabei werden Hände und Füße in ein Salzbad getaucht, an das über Elektroden ein schwacher Gleichstrom zugeführt wird. Der Strom wird durch einen speziell dafür konstruierten Gleichstromgenerator erzeugt. Dabei werden die nach außen führenden Kanälchen der Schweißdrüsen durch Koagulation der Proteine vorübergehend verstopft, ohne dass die Drüsen geschädigt werden.
Eine Sitzung dauert ca. 20 Minuten und muss, zumindest anfangs, regelmäßig mehrere Male pro Woche wiederholt werden. Vielen Patienten, die nur wenig oder mäßig exzessiv schwitzen, hilft die Ionophorese über einen längeren Zeitraum bis zu 3 Monaten. Der Erfolg ist allerdings individuell nicht kalkulierbar. Wer vor allem am Körper oder in den Achselhöhlen stark schwitzt, kann diese Behandlungsmethode nicht einsetzen. Ob und inwieweit diese Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird, muss im Einzelfall geklärt werden. - Behandlung mit Botox: Botulinumtoxin A ist ein Gift (Toxin) des Bakteriums Clostridium botulinum. Dieses Bakterium ist eigentlich als Verursacher von Lebensmittelvergiftungen bekannt. Als Wirkstoff hat Botox in der letzten Zeit vor allem in der Schönheitschirurgie Aufsehen erregt. Therapeutisch aber wird industriell hergestelltes Toxin zur Hemmung der Übertragung von Nervenreizen eingesetzt. Im Fall der Hyperhidrose (besonders bei Achselschweiß) kann man die Nervenimpulse auf Schweißdrüsenzellen und damit das Schwitzen unterbinden. Der Wirkstoff wird in sehr geringen Konzentrationen direkt ins Unterhautfettgewebe gespritzt, was vor allem an den Füßen sehr schmerzhaft sein kann und eine gute Betäubung erfordert. Die Behandlung muss meist wiederholt werden (frühestens nach einem halben Jahr).
- Selten und nicht unumstritten sind operative Eingriffe – von der Entfernung von Schweißdrüsen in en Achseln (mittels Absaugung = Suktionskürrettage) bis hin zum Durchtrennen von "Schweißnerven" im Brust- oder Bauchraum. Diese endoskopische transthorakale Symphathektomie (ETS) wird v.a. bei Schwitzen im Gesicht, unter den Achseln und/oder Händen eingesetzt wird; als Nebenwirkung tritt ausgerechnet das Schwitzen an anderen Körperteilen auf.
- Manchen Patienten hilft eine begleitende psychotherapeutische Behandlung, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen.
Aus der Pflanzenheilkunde ist besonders der Salbei für seine schweißhemmende Wirkung bekannt – er muss allerdings über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Als hilfreich haben sich in manchen Fällen auch Methoden aus der komplementären Medizin wie Akupunktur und Homöopathie erwiesen.
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