Traditionelle Chinesische Medizin – mehr als Akupunktur

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Den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen und zu behandeln ist das Prinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 4000 Jahren. Zu ihr gehören ganz verschiedene Behandlungsmethoden wie Kräuterheilkunde, Qigong und natürlich Akupunktur, die sich besonders in der Schmerztherapie und bei Allergien etabliert hat. In Deutschland sind schätzungsweise 40.000 Ärzte und zahlreiche Heilpraktiker in Akupunktur ausgebildet, Tendenz steigend.Marianne E., 57, litt jahrelang unter Heuschnupfen und Asthma und hatte bereits alle Hoffnung aufgegeben, von ihren mehrmals im Jahr auftretenden Asthma-Attacken je befreit werden zu können.

Der Hausarzt verwies sie schließlich zu einer Allergologin, die eine Zusatzausbildung und gute Erfahrungen mit Akupunktur gemacht hatte. In nur wenigen Sitzungen konnten Mariannes Beschwerden so sehr gemildert werden, dass sie kaum noch Medikamente benötigte.

Gute Erfolge mit Akupunktur

"Fast 85 Prozent der Akupunkturpatienten geben an, dass sich ihre Beschwerden nach der Therapie verbessert haben. Fast alle von ihnen litten unter chronischen Erkrankungen, am häufigsten unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Atemwegserkrankungen." So heißt es wörtlich in einer Akupunkturstudie der Innungskrankenkassen – ermutigende Zahlen. Die Auswertung einer Langzeitstudie der Universität Freiburg ergab, dass im Durchschnitt die Patienten bereits sieben Jahre krank waren, als sie mit der Akupunkturbehandlung begannen. Grundlage der Studie sind 11.149 Akupunktursitzungen. Angewandt wird Akupunktur zu mehr als 85 Prozent bei chronischen Erkrankungen, u.a. bei Migräne, Allergien, Zahnschmerzen, Erkrankungen des Verdauungstraktes und orthopädischen Erkrankungen.
Die Akupunktur wirkt sowohl über das Nervensystem als auch über die Hormone und hat erwiesenermaßen eine durchblutungssteigernde, muskelentspannende und schmerzlindernde Wirkung. Außerdem tritt eine Harmonisierung der Psyche und des unbewussten Nervensystems ein.
Die Akupunktur ist eine praktisch risiko- und nebenwirkungsfreie Behandlungsmethode, sofern sie von entsprechend gut ausgebildeten Ärzten und Heilpraktikern angewendet wird. Idealerweise ergänzen sich Akupunktur und Schulmedizin in Diagnostik und Therapie. Ärztliche Fachgesellschaften für Akupunktur in Deutschland und Österreich haben Ausbildungsstandards gesetzt und seit 50 Jahren die Ausbildung durchgeführt. In Deutschland sind es schätzungsweise 40.000 Ärzte und zahlreiche Heilpraktiker, die eine Ausbildung in Akupunktur absolviert haben.

Ganzheitlicher Ansatz der TCM

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM genannt, bekam ihren Namen von der Weltgesundheitsorganisation WHO, um sie begrifflich von der westlich-naturwissenschaftlichen Medizin – auch Schulmedizin genannt – zu trennen. Sie ist Psychologie, Philosophie und Medizin in einem, von Apparaten so gut wie unabhängig und kostensparend. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen im Rahmen von „Modellvorhaben" die Kosten der Akupunktur zumindest teilweise, die privaten Kassen übernehmen sie nach den hierfür vom Gesetzgeber festgelegten Richtlinien.
Nach alten chinesischen Vorstellungen, nach Beobachtungen an Kranken und Gesunden, gingen die chinesischen Ärzte von einer im Körper fließenden Energie aus, Qi (sprich: "Tschi") genannt, die die unter der Haut liegenden Regionen durchzieht und bis in die tieferen Gewebe des Körpers hineinreicht. Diese Bahnen durchziehen netzförmig den Körper. Es sind energetische Prozesse, die nicht sichtbar gemacht werden können. Einfach ausgedrückt ist das Qi die Lebensenergie des Menschen.
Das Qi mit seinen Anteilen Yin und Yang fließt auf den Leitbahnen von der Körpermitte zu den Enden der Extremitäten und zurück. Yin und Yang sind die beiden lebenserhaltenden Kräfte – sie sind im Körper als Gegenpole gleichzeitig wirksam. Ihr Gleichgewicht stellt den idealen Gesundheitszustand dar, ihr Ungleichgewicht führt zu Beschwerden und Krankheit. Der Arzt will die energetische Situation, in der sich der Patient befindet, erkennen, die Qi-Verteilung verstehen, um sie bei einer Erkrankung richtig beurteilen zu können und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Weitere Methoden der TCM

Die chinesische Kräutertherapie und die chinesische Ernährungslehre gewinnen zunehmend mehr Anhänger. Tatsache ist, dass diese Methode sogar die wichtigste Therapieform der TCM ist. Fast alle Krankheiten, man spricht von ca. 90 Prozent, können mit Kräutermischungen, Tees und Co. behandelt werden. Über 7.000 Arzneien gibt es, die in ihrer Dosierung und Zusammensetzung auf den Patienten abgestimmt werden. Dabei kombiniert der Arzt verschiedene Einzeldrogen. Oft wirken die Mittel erst nach einer längeren Wartezeit. Die Kräuterheilkunde eignet sich daher eher Behandlung chronischer Erkrankungen, bei akuten Beschwerden sind schulmedizinische Medikamente meist empfehlenswerter. Das Erlernen der Kräuterkunde braucht viel Zeit und ihre Anwendung einen Menge Erfahrung.

Tuina

Tuina, ein besondere Kombination aus manueller Medizin und Massage, ist in Deutschland wenig verbreitet. Mit Tuina führt man auf Grundlage des Meridian- und Akupunkturpunktsystems an den Punkten oder entlang der Meridiane eine Behandlung durch. Im Gegensatz zur Akupunktur werden die Reize nicht mit Nadeln, sondern durch unterschiedliche manuelle Techniken ausgeübt.

Qigong und Taiji

Besser bekannt bei uns sind Qigong und Taiji, eine Kombination von Meditation und Bewegung. Qigong versucht durch bewegungsorientierte Übungen das Qi zu aktivieren und zum Fließen zu bringen. Die Bewegungen sind sanft, ineinander übergehend fließend und präzise, und werden durch Atmung, Körperwahrnehmung und Meditation unterstützt. So wird zum Beispiel ein wichtiges Energiezentrum im Bereich des Unterbauches durch die Übungen nach und nach gestärkt. Taiji (auch „Tai Chi") hingegen ist eine Kombination aus Kampftechnik mit langsam ausgeführten Bewegungsabläufen mit dem Zweck, größtmögliche Entspannung zu erreichen. Auch hier sind die Bewegungen weich und fließend, sie regen den Energiefluss an und verhelfen zu Wohlbefinden und Gesundheit.
Das Schröpfen ist eine weitere Form der TCM: Über Glaskugeln auf der Haut, denen Luft entzogen wird – in der Regel liegen sie auf Akupunkturpunkten – entsteht Unterdruck. Dieser wirkt wie eine Bindegewebsmassage, der Fluss von Qi, Blut und Lymphflüssigkeit wird angeregt, die lokale Durchblutung der Haut- und Muskelschichten wird gefördert.

Mariendistel – sanfte Medizin für die Leber

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Ursprünglich stammt die Mariendistel aus den warmen Ländern rund ums Mittelmeer und Kleinasien. Sie wächst aber auch bei uns an sonnigen und nährstoffreichen Plätzen. Man erkennt die Pflanze an den weiß marmorierten Blättern, die rundherum mit kleinen Dornen versehen sind.In alten Kräuterbüchern wird die Verwendung eines Distelaufgusses zur Anregung des Milchflusses genutzt, aber auch gegen Stechen im Leib, bei Blutungen, Krämpfen oder fliegender Hitze empfohlen.

Ihre heutige Anwendung als sanftes Lebertherapeutikum verdankt die Mariendistel dem Landarzt Rademacher, der 1848 ihre Bedeutung erkannt hatte. Er erkannte auch, dass die wirksamen Stoffe direkt unter der Schale der samenähnlichen Frucht stecken.

Die Leber als Entgiftungsorgan

Unsere Leber hat neben der Produktion von Gallenflüssigkeit den gesamten Verdauungsstoffwechsel und eine Vielzahl von "Entgiftungsreaktionen" zu bewältigen. Alkohol, Schadstoffe aus der Umwelt, Nahrungsmittelmittelzusätze und Medikamente werden von ihr aufgenommen und abgebaut. Dabei entstehen aggressive, so genannte freie Radikale, die die Zellwände des Organs angreifen. Wird die Leber dauerhaft überlastet, kann die natürliche Zellerneuerung nicht Schritt halten. Die Leber verfettet und kann ihre Aufgaben nicht erfüllen. Manchmal ist dieser Prozess auch von einer Entzündung begleitet. Am Ende der Entwicklung steht die Leberzirrhose, bei der immer mehr funktionstüchtige Zellen durch narbiges Bindegewebe ersetzt werden.
Nicht nur Giftstoffe, auch üppiges und fettes Essen oder bestimmte Erreger können der Leber zu schaffen machen. Leider fehlen lange Zeit auffällige Krankheitszeichen oder Schmerzen, die den Betroffenen frühzeitig warnen könnten. Wer meint, dass seine Leber gefährdet sein könnte, sollte deshalb rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.

Wirkstoffe der Mariendistel

Aus den Früchten der Mariendistel lässt sich ein Extrakt gewinnen, der Leberschäden vorbeugen kann und helfen soll, eine angegriffene Leber zu regenerieren. Verantwortlich für die schützende Wirkung ist ein Komplex aus vier verschiedenen Flavonolignanen, der in Anlehnung an den wissenschaftlichen Namen der Mariendistel "Silybum marianum" Silymarin genannt wird. Studien zeigen: Silymarin fängt freie Radikale ab, die bei der Entgiftung in der Leber anfallen, und verhindert dadurch die Zerstörung der Zellwände. Außerdem fördert es die Regeneration von Lebergewebe.
Mediziner setzen Mariendistelpräparate zur ergänzenden Behandlung von chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen ein. Vor allem bei Schäden, die durch Alkohol und Medikamente entstanden sind, wird der Erholungsprozess auf sanfte Weise unterstützt. Denn im Gegensatz zu chemischen Arzneimitteln belastet der Pflanzenextrakt das Organ nicht zusätzlich. Damit die Therapie erfolgreich ist, müssen allerdings immer auch die Ursachen der Erkrankung bekämpft werden. Vereinzelt wirken Mariendistelpräparate leicht abführend, sonst sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Behandlung mit Mariendistel

Da Silymarin schwer wasserlöslich ist, geht der Wirkstoff kaum in Teeaufgüsse über. Deshalb werden Mareindistelextrakte meist in Dragees, Kapseln oder Tabletten verpackt. Eine gleich bleibende und ausreichend hohe Dosierung gewährleisten Präparate aus der Apotheke, da sie einen standardisierten Gehalt an Wirksubstanzen enthalten. Sachverständige empfehlen etwa 200 bis 400 mg Silymarin pro Tag. In der Homöopathie setzt man die Mareindistel als "Carduus marianus" bei Leber- und Gallenerkrankungen, Hämorrhoiden und Krampfadern, aber auch bei rheumatischen Beschwerden ein. Verwendet werden hauptsächlich die Urtinktur und niedrige Potenzen von D1 bis D6.

Melisse – sanfte Medizin für Körper und Seele

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Wegen ihres zitronenartigen Geruchs wird die Pflanze meist "Zitronenmelisse“ genannt. Aber auch andere volkstümliche Namen wie Nervenkräutel, Frauenwohl, Herztrost weisen auf die vielgestaltige Verwendung in Vergangenheit und Gegenwart hin.Die zur Familie der Lippenblütler gehörende Pflanze wird bis zu 80 cm hoch und liebt sonnige, windgeschützte Plätze.

Die recht anspruchslose Pflanze kann man problemlos im eigenen Garten anpflanzen. Als sanfte Medizin für Körper und Seele ist die Melisse gut für Laien anwendbar.
Die arzneilich wirksamen Bestandteile der Melisse sind vor allem in den auf der Oberseite fein behaarten Blättern zu finden. Deshalb sollten sie vor der Blütezeit geerntet werden, die sich in der Regel von Juli bis August erstreckt.

Geschichte der Melisse

Wie viele andere Heilpflanzen auch ist die Melisse aus südlichen Gegenden eingewandert. Während der Antike war Melisse nicht nur als Heilpflanze gegen Herzkrankheiten, Tierbisse und Milzleiden geschätzt, sondern auch als Bienenfutter. Plinius schreibt vor 2000 Jahren: "Den Bienen sind keine Blüten lieber als die Melisse."
Karl der Große (747-814) ordnete an, dass Melisse in den Staatsgütern anzubauen sei. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) schrieb: "Die Melisse ist warm. Ein Mensch, der sie isst, lacht gerne, weil ihre Wärme die Milz beeinflusst und daher das Herz erfreut wird.“
Auch Paracelsus (1493 – 1541) wandte die Pflanze im Sinne der Signaturenlehre wegen ihrer herzförmigen Blätter bei Herzkrankheiten an: "Melisse ist von allen Dingen, die die Erde hervorbringt, das beste Kraut für das Herz.“ Außerdem verwendete er die Melisse zur Heilung von „Kontracturen und Lähme“, gegen Podagra, Lepra, Asthma und zur "Erneuerung der Kräfte des Körpers."

Wirkung von Melisse

Melisse wirkt entkrampfend, beruhigend, antibakteriell und virustatisch. Überall dort, wo rhythmische Abläufe gestört sind, kommt diese Heilpflanze zur Anwendung, so bei Herzbeschwerden, Magen-Darm-Leiden, Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen, Unruhezuständen, Kopfschmerzen, Depressionen und Erkältung. Bei neueren wissenschaftlichen Untersuchungen in Großbritannien wurde festgestellt, dass Melisse die Gehirnleistung verstärkt und dadurch wahrscheinlich Demenzkranken Unterstützung bieten könnte.

Anwendung von Melisse

Der Melissentee – äußerlich angewendet – kann Hautunreinheiten beseitigen. Ein Dampfbad ist wirksam gegen fettige Haut. Außerdem stellt diese Heilpflanze eine wirksame Alternative zu synthetischen Virustatika gegen Lippenherpes dar. Das beruht vor allem auf der in der Pflanze vorhandenen gerbstoffähnlichen Rosmarinsäure.
Das durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl wird in verschiedensten Arzneizubereitungen verarbeitet, aber auch in Likörfabriken, Parfümerien und Naturkosmetikfirmen. Wer für die Aromatherapie zu Hause hochwertiges Melissenöl natürlichen Ursprungs verwenden will, sollte sich in einer Apotheke oder von einem Aromatherapeuten beraten lassen.

Melisse als Küchenkraut

Auch in der Küche ist die Melisse talentiert. Sie kann Süßspeisen und Getränke geschmacklich und optisch verfeinern und ist ein erfrischendes Gewürz für Salate.