Seelische Gesundheit

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm:
Negativer Stress ist die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Und Depressionen – derzeit weltweit an vierter Stelle der häufigsten Krankheitsursachen – sollen bis zum Jahr 2020 die nach Herz-Kreislauferkrankungen am weitesten verbreiteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sein.
Naturwissenschaftlich gesehen ist die Seele identisch mit der Psyche.

Laut Definition bezeichnet die Psychologie die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen in Bezug auf sich selbst sowie auf Personen, Ereignisse und Objekte der Umwelt.

Balance mit sich und der Umwelt

Als wesentlich für unser seelisches Wohlbefinden hat Sigmund Freud die Arbeits-, Genuss- und Liebesfähigkeit des Menschen erkannt. Dies ist abhängig von den Ressourcen eines jeden Menschen. Welche Quellen der Lebensfreude und Lebenslust hat ein Mensch und über welche Fähigkeiten, mit Problemen umzugehen, verfügt er, um seine seelische Gesundheit optimal pflegen zu können. Heutzutage ist klar: nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Wohlergehen ist wichtig. Wer sich nicht nur um die Gesundheit seines Körpers kümmert, sondern auch ausreichend sein seelisches Wohlbefinden pflegt, kann sich besser gegen psychische und physische Erkrankungen schützen.

Probleme gehören zum Leben…

Konflikte in Beziehungen, Familien oder am Arbeitsplatz können zu starken seelischen Belastungen führen. Der Idealfall wäre, wenn jeder Mensch mit solchen Konflikten und Belastungen so umgehen könnte, dass sie nicht zu dauerhaften psychischen Störungen führen. Aber: Psychische Erkrankungen, allen voran Angsterkrankungen, Depressionen, Alkohol- und andere Suchterkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft.

Seelischer Kummer wiegt schwer

Eine seelische Erkrankung ist schwerer erkennbar als ein körperliches Leiden. Aber sie wiegt mindestens genauso schwer, denn sie kann Seele und Körper krank machen. So können körperliche Symptome auf eine psychische Erkrankung, z.B. eine Depression oder eine Angsterkrankung hinweisen, ohne dass eine körperliche Ursache vorhanden ist. Umgekehrt werden körperliche Erkrankungen häufig von psychischen Symptomen begleitet. Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung können heute wirksam behandelt werden. Da eine psychische Erkrankung auch heute noch ein Tabuthema darstellt, wird die gezielte Hilfe aber oft nicht in Anspruch genommen. Die körperlichen Symptome werden beim Arzt besprochen, nicht aber die psychischen. Die Folge sind oft Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen.

Seelische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen

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Deutsche Kinder werden immer kränker. Die Rede ist hier nicht von den klassischen Kinderinfektionen wie Masern oder Windpocken, sondern von komplexen Erkrankungen, die Körper, Seele und soziale Beziehungen gleichermaßen beeinträchtigen.
Mittlerweile leidet jedes fünfte Kind in Deutschland an Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, dazu kommen jährlich 350 erfasste Selbstmorde junger Menschen unter 20 Jahren.

Die tatsächliche Zahl liegt weit höher, vermuten Experten. Auch die Zahl der verhaltensgestörten, aggressiven oder depressiven Kinder in den deutschen Grundschulen ist auf fast zehn Prozent der Schüler angestiegen, und bereits im Kindergartenalter zeigen sich immer häufiger seelische Belastungen.

Armut als Faktor

Mittlerweile diagnostizieren immer mehr Kinderärzte Kinder im Säuglingsalter mit gestörter Eltern-Kind-Beziehung, die sich unter anderem in exzessiven Schreien, Schlafproblemen und gestörtem Essverhalten ausdrückt. Später kommen Bewegungsmangel, Störungen in der Sprachentwicklung und psychosoziale Auffälligkeiten hinzu.
Experten sehen hier einen Zusammenhang mit der steigenden Armut bei Kindern. Nach der jüngsten Studie des Kinderhilfswerks lebten Ende 2002 rund 1,1 Millionen Minderjährige in Deutschland von der Sozialhilfe. Das sind rund 37 Prozent aller Empfänger der Sozialhilfe. Kinder bis drei Jahre sind inzwischen die größte Gruppe, die Sozialhilfe beziehen – jedes Zehnte von ihnen lebt von der “Stütze”.
Das Risiko, in die Armut abzurutschen, ist dem Bericht nach für Minderjährige doppelt so hoch wie für Erwachsene – Tendenz steigend. Hier liegt eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderung der nächsten Jahre, an die sich unter anderem Erfolge bei internationalen Vergleichsstudien a la PISA ebenso nahtlos anschließen wie Aspekte des sozialen Friedens und der inneren Ruhe im Land.

Kinder- und Jugendpsychiatrie als Hilfe

Während die Gewährleistung der seelischen Gesundheit von Kindern zunächst in den Händen der Eltern und Erziehungsberechtigten liegt, gibt es einen steigenden Bedarf für professionelle Hilfe und Unterstützung. In Deutschland ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ein noch relativ junges Fachgebiet, das sich als Hilfsangebot für Kinder und Jugendliche in psychischen Krisen versteht.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie umfasst die Erkennung, nichtoperative Behandlung, Prävention und Rehabilitation bei psychischen, psychosomatischen, entwicklungsbedingten und neurologischen Erkrankungen oder Störungen sowie bei psychischen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter.

Wie bei den Großen

Diese Auffälligkeiten sind bei Kindern ebenso vielfältig wie bei Erwachsenen:

  • Manche Kinder sind so unruhig, dass sie sich nur selten auf ihre Aufgaben konzentrieren können
  • Andere sind so aggressiv, dass sie völlig ausgegrenzt werden
  • Viele haben enorme Schwierigkeiten in der Schule und lehnen den Schulbesuch in der Folge häufig komplett ab
  • Tiefe Depressionen, Angststörungen und Selbstmordversuche gehören ebenso in das Spektrum wie Selbstverstümmelung, Bulimie und Magersucht
  • Drogen und Aggressionen gegen Andere zeugen von den zunehmenden Orientierungsschwierigkeiten und der dringenden Suche nach Hilfe.

Hilfe suchen – Unterstützung finden

Diese Krisen bringen viel Kummer und Leid für die betroffenen Kinder und ihre Familien. Mittlerweile gibt es ein dichtes Netz an Hilfsangeboten bei niedergelassenen Ärzten/innen, Beratungsstellen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die Betroffene und ihre Angehörigen in Anspruch nehmen können.
Eltern, die Hilfe für sich und ihre Kinder suchen, können zum Beispiel zunächst ihren Kinderarzt kontaktieren, der sie an einen Jugendpsychotherapeuten oder –psychiater verweisen wird. Andere Anlaufstellen bieten die Beratungsangebote der Städte und Gemeinden, die unter anderem auch mit einem schulpsychologischen Dienst bei Schulproblemen helfen können.

Wie kann eine Behandlung aussehen?

Viele Therapie-Einrichtungen verfügen auch über eine eigene ambulante Sprechstunde, in der je nach Wünschen und Bedürfnissen Diagnostik, Beratung und Therapie durchgeführt werden. Manchmal ist aber auch eine stationäre Aufnahme notwendig oder sinnvoll.
Zu diesem Ergebnis sollten alle Beteiligten, also Kind, Jugendlicher, Eltern oder Erziehungsberechtigte und Therapeuten, während der Behandlung kommen. Nur so besteht eine Chance auf einen Behandlungserfolg. Die entsprechende Klinik stellt sich dann mit ihren pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen tatsächlich als “Erfahrungsraum” zur Verfügung, in dem Kinder und Jugendliche während der Behandlungszeit mit neuem Verhalten kontrolliert experimentieren können.
Ein solcher stationärer Aufenthalt kann in einer Tagesklinik durchgeführt werden. Die Kinder werden dann morgens zur Behandlung gebracht und abends wieder nach Hause geholt. Sie bleiben also in ihrem Umfeld eingebunden.
In manchen Fällen ist das nicht möglich. Dann bleiben die Kinder und Jugendlichen über Nacht in der Klinik, werden dann aber nach Möglichkeit am Wochenende “nach Hause” beurlaubt. Das Wochenende dient als “Testphase”, in der der veränderte Umgang miteinander probeweise praktiziert wird.
Damit die Behandlung Erfolg haben kann, wird die zuständige Therapeutin einen Behandlungsplan ausarbeiten, der auch die unmittelbare Familie bzw. die entsprechenden Bezugspersonen berücksichtigt und einbindet. Dieser Plan beinhaltet unter anderem Gespräche, Übungen zur Verhaltensänderung, eventuell auch eine medikamentöse Behandlung.
Alle am Therapieprozess beteiligten – Krankenschwestern und -pfleger sowie Erzieherinnen und Erzieher – werden versuchen, ein therapeutisches Milieu zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche günstige Voraussetzungen für ein emotionales und intellektuelles Wachstum finden können.

Ein großes Hilfsangebot

Dazu kommen Sozialarbeiter, die Eltern und Jugendliche bei rechtlichen und organisatorischen Fragen beraten. Miteingebunden in das Behandlungskonzept werden je nach Bedarf Erzieher, Logopäden, Musiktherapeuten, Physiotherapeuten und Lehrer.
In vielen Einrichtungen gehen die Kinder und Jugendlichen während ihres Aufenthaltes in die Schule oder werden durch beschäftigungs- und arbeitstherapeutische Maßnahmen auf das Berufsleben vorbereitet.
Susanne Köhler

Seelische Gesundheit – Krisen als Chancen

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“Die Krise des Eis ist die Chance des Kükens”, sagt der Volksmund und beschreibt damit eine Erfahrung, die viele Menschen im Laufe des Lebens machen können und im Nachhinein als positiv bewerten.

Was ist eine Krise?

Eine Krise ist ein Bruch in der Kontinuität und Normalität unseres Lebensverlaufs.

Das passiert oft häufig und unerwartet, etwa beim Auftreten einer Krankheit, bei Unfällen oder anderen Unglücksfällen. Andere Krisen ereilen uns zum Beispiel bei Übergängen von einer Lebensphase in die andere oder bei Umbrüchen und Veränderungen, die das Leben für uns bereithält.
Für manche Kinder gestaltet sich der Übergang in die Pubertät zur Krise, Erwachsene erleben die Passage vom kinderlosen Paar in die Elternschaft krisenhaft und für viele Frauen und Männer kann die “Midlife-Crisis” schwere seelische Einbrüche bedeuten.
In allen Fällen werden Lebensentwürfe in Frage gestellt, analysiert und im besten Fall neu gestaltet. Gelingt der Neuentwurf, so wird sich der Bruch zum Durchbruch. Gelingt er nicht, dann wird aus dem Bruch ein Zusammenbruch. Die Brüche im Leben sind gewissermaßen existentielle “Weichen”, an denen unser Leben neu aufgestellt wird.
Aber darin liegt auch immer die Chance, den bisherigen Lebensentwurf zu korrigieren und neue Verhaltensmuster, Ideen und Vorstellungen einzuarbeiten. Wir verlassen Krisen nicht unverändert, wir kommen nicht “ungeschoren” davon. Doch die zwingende Kraft der Veränderung durch die Krise ermöglicht ebenso einen kraftvollen und kreativen Neuanfang.

Vom Umgang mit der Krise

Krisen gibt es immer. Sie gehören zum menschlichen Leben wie die Luft zum Atmen. Um mit ihnen fertig zu werden, durchlaufen wir vier unterschiedliche Phasen der Bewältigung:
Die Phase des Nicht-Wahr-Haben Wollens und der Verleugnung
Wir wehren uns gegen die Veränderung und wollen nicht wahrhaben, dass es nicht mehr so ist, wie es einmal war. “Ich bin nicht krank” oder “Es kann gar nicht sein, dass mein Angehöriger gestorben ist”.
Die Phase der aufbrechenden Gefühle
Wir fühlen uns hoffnungslos und machtlos und hadern mit unserem Schicksal. Ängste, Unsicherheit, Wut, Schuldgefühle und Selbstzweifel bestimmen unser Denken. “Warum ausgerechnet ich?” “Was habe ich getan, dass mir dieses Schicksal widerfährt?”
Die Phase der Neuorientierung
Wir fangen an, uns Möglichkeiten zu überlegen, in welche Richtung wir weitergehen möchten. Lösungsmöglichkeiten und Auswege zeichnen sich so langsam ab. “Vielleicht könnte ich…”
Die Phase der wiederhergestellten Balance
Wir haben uns mit der neuen Situation arrangiert und können neue Kraft daraus schöpfen.
Wir alle müssen diese Phasen durchlaufen, um eine Krise zu einem “positiven” Abschluss zu bringen. Das gelingt nicht immer. Bleiben Neuorientierung und neue Balance auf der Strecke, dann erkranken wir nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Depressionen, Suchtgefahr, körperliche Beschwerden wie etwa Schlafstörungen, Unruhe, Herz-Keislaufprobleme, Magen-Darm- Beschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen können die Folgen sein.

Was können Krisen Positives bewirken?

  • das Leben, auch Alltägliches wieder zu schätzen,
  • dass wir uns wichtig nehmen müssen und dürfen
  • dass wir nicht nach unseren Bedürfnissen gelebt haben
  • dass der Sinn des Lebens in Zukunft ein anderer für uns ist
  • andere mehr zu akzeptieren
  • den Partner und Freunde wichtiger zu nehmen
  • unsere Prioritäten neu zu ordnen
  • mehr für uns selbst und unsere Gesundheit zu tun
  • mit uns behutsamer umzugehen

Das persönliche Krisenmanagement

Viele Menschen entdecken in der Krise ihren Glauben wieder, andere besinnen sich auf lange vernachlässigte Freunde und wieder andere suchen Hilfe und Unterstützung bei erfahrenen Therapeuten. In manchen Fällen lässt die Ursache der Krise beseitigen, in anderen Fällen kann nur der positive Umgang mit der Krise die Lösung sein.
Das persönliche Krisenmanagement sollte aber auf jeden Fall folgende Punkte beinhalten:
1. Denken Sie positiv!
Je schlimmer Sie die Krise bewerten und umso weniger Sie an eine Überwindung glauben, desto größer wird die Verzweifelung. Gedanken wie “Nie mehr komme ich da raus”, “Das Leben ist zu Ende” “Das kann ich nicht aushalten” lähmen.
Erinnern Sie sich stattdessen an Situationen, die Sie früher erfolgreich bewältigt haben: “Ich habe bisher immer eine Lösung gefunden” oder “Es ging bisher immer irgendwie weiter”. Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten, denen es ähnlich ergangen ist oder suchen die Unterstützung einer Selbsthilfegruppe. Manchmal ist es in der anfänglichen Anonymität einer unbekannten Gruppe leichter, sein Herz auszuschütten.
2. Suchen Sie sich einen objektiven Gesprächspartner, mit denen Sie über Ihre Situation sprechen können.
Manchmal steigern wir uns in eine Situation so stark hinein, dass wir unsere Objektivität verlieren. Wir können das Ausmaß unserer Probleme nicht realistisch sehen und fühlen uns dann auch entsprechend schlecht. Auch ein Tagebuch kann helfen, die Gedanken auszusprechen und zu sortieren.
3. Bauen Sie Entspannungsphasen in Ihren Alltag!
Lesen Sie Bücher, in denen Sie Trost und Rat finden. Ob Ratgeber, die Bibel, Gedichte oder Biographien – Bücher bieten Ratschlag, Beschäftigung und Entspannung in einem. Musik, Sport und Bewegung gehören zu einem persönlichen Entspannungsprogramm ebenso dazu wie ein nettes Essen mit Freunden oder ein Nachmittag im Museum. Erinnern Sie sich an die Dinge, die Ihnen gut tun und planen Sie diese Aktivität ein.
4. Leben Sie von Tag zu Tag.
An manchen Tagen sind wir so überwältigt, dass wir uns nicht vorstellen können, wie wir diese Krise überhaupt überstehen können. Dann ist es hilfreich, sich immer nur einen überschaubaren Tag zum Überleben vorzunehmen: “Heute kann ich es schaffen. Was kann ich heute für mich tun?”
5. Stellen Sie sich die Frage: Was kann ich aus dieser Krise lernen?
Welchen Sinn kann ich ihr in meinem Leben einräumen? Wer der Krise einen Sinn gibt, öffnet sich dem Leben.
Susanne Köhler